Gedankensplitter, Gefühlte Realität, Randnotizen
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Der Besuch

Die Melancholie ist zu Besuch. 

Eine alte Bekannte, wir haben früher viel Zeit miteinander verbracht.

Sie schaut immer mal vorbei, setzt sich zu mir und beginnt zu erzählen.

Ich lasse sie kommen. Ja ich heiße sie willkommen, wenn sie denn mal da ist. 

Warum auch nicht. Es würde keinen Sinn machen, so zu tun, als nähme sie mich nicht an der Hand, um ein Stück mit mir zu gehen.

Langsam schreiten wir….die Schritte fallen manchmal schwer….ihre Gangart ist mir fremd geworden.

Sie spricht mit leiser Stimme und löst Knoten in meinen Gedanken, bringt sie in Schwung. 

Sie öffnet Schubladen, während sie durch meinen Geist wandert.

Sie tut, als wäre sie bei mir zuhause.

Ich lasse mich ein auf ihr Gespräch. Ich hole Wein und mache Musik an.

Sie lächelt, als sie mir ins Gesicht schaut. „Du schaust so traurig.“

„Das ist, weil du da bist. Dann wird mir immer ganz schwer ums Herz.“ sage ich.

„Du hast wenigstens eins.“ sagt sie.

Und so sitzen wir, die Stunden vergehen.

Tränen laufen mir über das Gesicht, während ich mit dem Stift auf dem Papier meine Spuren hinterlasse.

Manchmal bringt sie ihren Freund mit, den Zweifel. 

Er wirft immer wieder ein paar Brocken ins Gespräch.

Hin und wieder stecken sie die Köpfe zusammen, tuscheln und kichern.

Ich sitze ihnen gegenüber und fühle mich unwohl, unsicher.

Sie sind in der Überzahl.

Dann kommt der Moment, in dem ich meine Augen schließe. Einatme. Ausatme. Der Musik lausche. 

Ich sage: „Ihr wart da. Danke. Wenn ihr vorbeischaut, lerne ich einiges. Ihr bewegt.

Ihr hattet euren Moment. Ich mache jetzt das Licht an.“

Ich bewege mich zurück auf die Ebene, auf der die beiden keinen Platz haben.

Denn ich will die Sonne sehen, ich möchte mein Herz schlagen spüren, ich möchte meine Kinder Lächeln sehen, ich möchte in den Spiegel schauen und sagen können : Du hast es mit jeder Faser deines Körpers, mit jedem Gedanken in deinem Kopf versucht. Du hast gegeben, was du konntest und tust es stetig. Du bemerkst aber auch, wo deine Grenzen sind. Du kommst ins Schwanken, denn du möchtest einige, viele, von ihnen überwinden, überschreiten.

Und so öffnest du das Fenster, die Musik in deinem Ohr, und geleitest sie direkt, aber freundlich nach draußen…..du wünschst Ihnen (oder ihr) eine gute Nacht, einen guten Weg.

Du atmest den frischen Wind der Nacht….wiegst dich zur Musik.

Dir wird bewusst, das diese Momente nicht die schönsten in deinem Leben sind. 

Doch sie gehören auch dazu. 

Zu dir.

Zu mir.

Das Licht ist an…..gedimmt.

Du legst dich schlafen…..komischer Besuch….aber es ist ok jetzt.

Morgen ist ein neuer Tag.

Licht, Liebe, Möglichkeiten!

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