Gefühlte Realität
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5 Wege gut mit Wut umzugehen

Wut, dieses brennende, feste, stechende Ding in mir, welches mir das Gefühl gibt, gleich zu explodieren. Gehört zu mir, wie es auch zu dir gehört. Wut ist eine der Emotionen, die wir Menschen zu fühlen imstande sind. Wie gut! Denn Wut setzt ungeheure Kraft frei, Wut ist pure Energie. Wenn man aber nicht gelernt hat, diesem Gefühl Raum zu geben, es zu spüren ohne sich schlecht dabei zu fühlen, führt Wut in den meisten Fällen zu Konflikten, zerstörten Gegenständen oder auch Krankheiten. 

Wie ich auch in meinem Artikel „Tut Wut Gut?“ erwähnt habe, ist uns oft schon als Kindern beigebracht worden, daß Wut ein negatives, unangebrachtes Gefühl ist. 

Ein Beispiel: Mutter und Kind sind im Supermarkt. Das Kind entdeckt etwas, das es haben will. Sagen wir, eine Süßigkeit. Mama lehnt ab. Das Kind bekommt einen roten Kopf, ballt die Fäuste und fängt an zu schreien.

Die anderen Besucher schauen sich nach der Szene um, schütteln die Köpfe. Mama fühlt Ärger, weil das Kind protestiert. Sie wird unruhig. Und sagt Sätze, wie :

  • Hör auf wütend zu sein.
  • Mama wird böse (hat dich nicht mehr lieb), wenn du so rumschreist.
  • Was sollen denn die Leute von dir/uns denken/sagen?
  • Sei fein lieb, dann bekommst du die Süßigkeit.

Mit diesen oder ähnlichen Sätzen erfolgt eine Prägung. 

  • Wut ist falsch. Wut ist schlecht.
  • Wenn du wütend bist, geht es den Menschen um dich herum schlecht. Sie leiden unter dir und deiner Wut.
  • Du bist nicht richtig, weil du wütend bist.

Jedes Mal, wenn also das Gefühl der Rage über uns kommt, erinnern wir bewusst oder unbewusst an die Formulierungen. Ein ungutes Gefühl macht sich breit.

Wenn ich ärgerlich oder wütend war und bin, fühle ich mich sehr unwohl, schuldig und „nicht richtig“. Dieses Gefühl darf nicht sein. Aber zur Hölle (ich fluche dann auch gern mal), dieses Ding, dieser Klumpen im Bauch, der ist doch da! Was soll ich, verdammt noch mal, jetzt damit tun?!

Es gibt verschiedene Methoden die du ausprobieren kannst, wenn du auf dem Weg in die Raserei bist.

Ich möchte dir 5 davon nennen.

1.Aufmerksamkeit

Hierbei geht es darum, schon die ersten Anzeichen des Gefühls zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Wenn du also spürst, dass sich da etwas in deinem Bauch zusammenzieht, dein Herz bis zum Hals klopft und deine Atmung sich verändert, solltest du kurz innehalten und nachspüren. Damit nimmst du bewusst war, was du gerade fühlst. 

2.Atmen

Konzentrier dich auf deine Atmung. Atme tief und langsam durch die Nase ein. Halte die Luft in deiner Lunge und zähle bis 4. Dann

Atme langsam und bewusst durch den Mund wieder aus. Lass die Lippen nur leicht geöffnet. Konzentrier dich auf den Luftzug, den du dabei spürst. Wiederhole das 10 Mal. Solltest du mitten in einem Gespräch sein und es kommt dir komisch vor, dies vor deinem Gegenüber zu tun, mach weiter mit Punkt 3.

3.Verlass den Schauplatz

Geh aus dem Raum, entferne dich vom Auslöser deiner Wut. So gewinnst du Abstand und Zeit, bis die Welle der Emotion wieder abebbt. Fühle, was da ist, ohne jedoch zu handeln. „Hey Wut. Ich sehe dich, ich spüre dich. Du darfst da sein.“ 

4.Loslassen

Wenn du die Möglichkeit hast, schrei laut (allein im Auto z.B.). Oder schnapp dir ein Kissen, wenn du zuhause bist und das du wahlweise schreist oder boxt. Oder du gehst/läufst eine Runde um den Block. Laufen, Schreien und Boxen bauen die Energie ab, welche durch die Wut freigesetzt wird. Dabei werden die ausgeschütteten Stresshormone abgebaut und dein Körper kann sich wieder entspannen.

5.Mitteilen

Sprich über dein Gefühl. Sag : „Ich bin gerade stinksauer! Sauwütend!“ Dann wissen die Menschen in deiner Umgebung, wie es dir geht und du gibst Ihnen die Möglichkeit sich auf dich und deine Stimmung einzustellen. Gleichzeitig schaffst du dir damit Raum und Gehör. Und du gewinnst Zeit, achtsam mit deiner Emotion umzugehen.

 

Sicher funktioniert nicht jede der hier vorgeschlagenen Methoden für dich. Probier einfach aus, was für dich passt und stimmig ist.

Es gibt aber auch Dinge, die du definitiv nicht tun solltest, wenn du wütend bist.Denn die europhysiologischen Vorgänge in deinem Körper hindern dich für eine gewisse Zeit daran rational und bedacht zu handeln.

Hiervon lässt du besser die Finger, solange du dich wie das „Rumpelstilzchen“ fühlst:

  • Essen: In solchen Momenten greifen wir meistens zu „Seelentröstern“, weshalb man auch von emotionalem Essen spricht. Wir greifen zu Sachen, die ungesund, zu fettig und zu süß sind. Du wirst dich hinterher nicht bzw. Nur kurzzeitig besser fühlen.
  • Auto fahren: Durch das zurückgedrängte logische und rationale Denken und Verhalten haben wir so etwas wie einen „Tunnelblick“. Das führt zu herabgesetzter Aufmerksamkeit und Leichtsinnigkeit. Das Risiko führ einen Unfall ist dadurch erhöht.
  • Einkaufen: „Frustshoppen“ ist ähnlich wie „Frustessen“. Es gibt nur kurzzeitig Befriedigung. Hinterher fühlen wir uns aber nicht wirklich besser.
  • Gespräche führen/E-mails schreiben: Unsere Konzentration ist herabgesetzt und wir neigen dazu, aus einem Impuls heraus Dinge zu schreiben oder zu sagen, die wir hinterher bereuen könnten. 

Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass es nicht immer gleich funktioniert, sich neue Wege im Umgang mit einem heftigen Gefühl wie der Wut anzueignen. Das ist ein Lernprozess. Auch ich neige oft dazu, mich selbst zu kritisieren, wenn Dinge nicht funktionieren, wie ich sie mir vorgenommen habe. Sei geduldig mit dir selbst. Schon die Tatsache, dass du dich mit dir und deinen Emotionen auseinandersetzt, ist ein wichtiger und guter Schritt.

Und wie Oma immer sagte: „Übung macht den Meister“.

Eine Freundin hat mir übrigens noch einen NotfallGeheimTipp mit auf den Weg gegeben.

Trink langsam ein Glas stilles Leitungswasser. Das wirkt beruhigend und stimuliert den Parasympathikus. Er ist ein Teil des vegetativen Nervensystems und auch als „Ruhenerv“ oder „Erholungsnerv“ bekannt.

Wie gehst du eigentlich mit Gefühlen wie Ärger oder Wut um? Was hilft dir? Und wovon würdest du abraten?

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